AusrüstungTests

Kreislauftraining 2016

Nicht nur das Atmen in der Höhe will geübt sein, auch die Tiefe hat ihre Tücken. Wohl sind wir alle erfahrene TaucherInnen, aber unser Ziel verlangt besondere Vorkehrungen. Aus physiologischen Überlegungen heraus haben wir beschlossen, wegen der extremen Höhe unseres Ziels mit Sauerstoffkreislaufgeräten zu tauchen. Das ist für uns, die wir offene Geräte mit Pressluft oder Nitrox gewohnt sind, eine beachtliche Umstellung. Das Tauchen mit Kreislaufgeräten folgt anderen Gesetzmäßigkeiten.

Im Taucherkessel Löbejün fanden wir den idealen Platz und mit Jens den geeigneten Trainer, um den Umgang mit dem Dräger LAR zu lernen und zu üben.

Der Taucherkessel in Löbejün
Der Taucherkessel in Löbejün

Es ist Herbst. Nicht nur nach dem Kalender, sondern auch nach Wetterlage und Temperatur. Wir wollen mit dem LAR tauchen, einem geschlossenen Kreislaufgerät, das mit reinem Sauerstoff arbeitet. Das können wir nicht in unserem gewohnten Trocki, denn für den fehlt uns die notwendige Flasche zum Tarieren. Also rein in den Nassanzug und die Zähne zusammenbeißen. Die Luft hat knappe 8°C, das Wasser sogar 17°C, es besteht also noch Hoffnung, die Übung ohne Schnupfen zu überstehen.

Bevor wir aber ins Wasser dürfen, hören wir erst einen theoretische Vortrag und üben dann den Zusammenbau der Tauchgeräte. Dann ist es endlich so weit und die erste Gruppe macht sich bereit zum Tauchgang. Alles ist in schickem Schwarz gehalten. Den einzigen dekorativen Aspekt verschafft etwas Schlämmkreide, deren Reste auf einigen Ausrüstungsteilen für bessere Tarnung sorgen. Die Geräte werden ja nicht zum Spaß gebaut sondern fürs Militär. Da ist Funktionalität und Zweckmäßigkeit wichtiger als Lifestyle.

Buddycheck
Buddycheck

Na, das ist noch der einzige gewohnte Teil des Ablaufes. Flasche offen? alles fest verzurrt? Ansonsten ist alles eher ungewohnt. Das Tauchgerät hängt mit seinem Gewicht von rund 10 Kilo an einer speziellen Jacke vor dem Bauch. Das Blei ist auf dem Rücken in der Jacke verpackt. So wird selbst eine einfache Tätigkeit wie das Anziehen der Flossen zur akrobatischen Übung.

Der tut nichts, der will nur Spülen
Der tut nichts, der will nur Spülen

Vor dem Abtauchen muss der Kreislauf gespült werden. Mit einem kräftigen Atemzug wird die Luft aus dem Gerät geblasen und durch Sauerstoff aus der Flasche ersetzt. Erst jetzt sind wir bereit zum Abtauchen.

Vor dem Abtauchen mit dem LAR
Vor dem Abtauchen mit dem LAR

Ein letzter Blick in die Runde, dann geht es unter die Wasseroberfläche. Ab jetzt ist alles ganz anders. Das atmen ist schwerer als gewohnt, das Abtauchen auch. Alles, was wir bisher gelernt und verinnerlicht haben, ist mit diesen Geräten nicht anwendbar. Kein Tarieren über die Atmung. Dafür praktisch keine Atemgeräusche und auch keine Blasen, die blubbernd zur Oberfläche steigen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten beginnt die Sache Spaß zu machen. Die Barsche und Hechte scheinen von unserer Anwesenheit unbeeindruckt. Es ist problemlos möglich, sich den Tieren zu nähern. Ungetrübter Blick zur Wasseroberfläche, die nur vom Wind leicht gewellt einen grandiosen Ausblick bietet! Langsam wird es doch kühl im nassen Anzug und die Wirklichkeit holt und schneller ein als uns lieb ist. Die Gasfüllung und der Kalk im Gerät würden noch für ein paar Stunden reichen, aber der Körper signalisiert eindeutig mit Zähneklappern das Ende des Tauchgangs.

Nur für "harte Männer"?
Nur für „harte Männer“?

Trotz des höheren Atemwiderstandes und der eher rauen Wetterlage macht das Tauchen mit dem Kreisel echt Spaß. Das Strahlen in den Gesichtern der Auftauchenden spricht Bände. Wir übergeben die Tauchgeräte an die wartende Gruppe und wärmen uns für den nächsten Tauchgang auf. Der Tag ist ja noch nicht zu ende!

Den folgenden Tag verbringen wir mit weiteren Übungstauchgängen. Es geht schon deutlich besser, das Atmen und auch das Tarieren fällt leichter. So bleibt auch Zeit, das Tauchen so richtig zu genießen. Wären da nicht noch ein paar andere Verpflichtungen, könnte das locker ein paar Tage so weiter gehen. So aber beenden wir am späteren Nachmittag unser Training und treten die Heimreise an.

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